Zulassung
US-Auto zulassen: Vollabnahme, Dokumente und Ablauf in Deutschland
3 Min. Lesezeit
Die Verzollung ist nur die halbe Miete. Bevor das Auto Kennzeichen bekommt, muss es die deutschen technischen Anforderungen erfüllen, und Sie brauchen eine Reihe von Dokumenten. Hier ist der Weg von der Hafenabholung bis zur Zulassungsstelle.
Diese Dokumente brauchen Sie
US-Title oder Exportbescheinigung und die Kaufrechnung der Auktion Zollbescheid bzw. Nachweis über gezahlten Zoll und Einfuhrumsatzsteuer Bill of Lading (Konnossement) Gutachten nach §21 StVZO (Vollgutachten) von TÜV oder DEKRA Übersetzungen fremdsprachiger Dokumente, falls die Behörde sie verlangt eVB-Nummer Ihrer Kfz-Versicherung Personalausweis oder Reisepass und SEPA-Lastschriftmandat für die Kfz-Steuer
Fehlt eines dieser Papiere, schickt die Zulassungsstelle Sie wieder nach Hause. Prüfen Sie deshalb vor dem Termin, ob Fahrgestellnummer und Fahrzeugdaten auf Title, Rechnung, Zollbescheid und Gutachten exakt übereinstimmen.
Warum ein Vollgutachten nötig ist
Autos, die für den US-Markt gebaut wurden, haben keine EU-Typgenehmigung und kein europäisches CoC-Papier. Deshalb reicht eine normale Hauptuntersuchung nicht: Das Auto braucht eine Einzelbetriebserlaubnis über ein Vollgutachten nach §21 StVZO, oft „Vollabnahme“ genannt. Ein amtlich anerkannter Prüfer von TÜV oder DEKRA prüft dabei, ob das Fahrzeug den deutschen Vorschriften entspricht, und erstellt die Daten für die Zulassungsbescheinigung. Die Hauptuntersuchung (HU) wird in der Regel gleich mit erledigt.
Was bei US-Autos meist umgebaut werden muss
Blinker: rote Heckblinker und kombinierte Brems-/Blinkleuchten müssen auf gelbe Blinker umgerüstet werden. Seitenmarkierungsleuchten: werden oft deaktiviert oder angepasst. Scheinwerfer: US-Scheinwerfer haben ein anderes Lichtbild und brauchen eventuell eine Anpassung oder EU-Scheinwerfer. Nebelschlussleuchte: in der EU vorgeschrieben, bei US-Autos häufig nachzurüsten. Tacho: muss km/h anzeigen, meist per Software oder Zusatzskala lösbar. Abgas und Geräusch: Nachweise werden über Herstellerdaten oder Messungen erbracht. Reifen und Felgen: Traglast und Geschwindigkeitsindex müssen passen.
Der Aufwand hängt stark vom Modell ab. Bei manchen Autos genügt ein einfaches Umrüstset, bei anderen sind Steuergeräte oder Scheinwerfer zu tauschen. Hilfreich ist ein Datenblatt des Herstellers oder ein Vergleich mit einem baugleichen EU-Modell.
Autos aus Japan, Kanada und den VAE
Für japanische Autos gilt dasselbe Verfahren mit Vollgutachten. Rechtslenker sind in Deutschland zulassungsfähig, die Scheinwerfer müssen aber auf Rechtsverkehr eingestellt oder getauscht werden. Kanadische Fahrzeuge haben oft bereits eine km/h-Anzeige und teilweise gelbe Blinker, was die Umrüstung erleichtert. Autos aus den VAE sind häufig nach Golf-Spezifikation (GCC) gebaut und ähneln technisch oft US-Modellen. Bei Autos aus Großbritannien helfen die europäischen Wurzeln: Viele haben Unterlagen, die einer EU-Typgenehmigung nahekommen, trotzdem verlangt die Zulassungsstelle nach dem Brexit eine Prüfung. In jedem Fall gilt: Je näher das Fahrzeug an einem in Europa verkauften Modell ist, desto einfacher und günstiger wird die Vollabnahme.
Ablauf Schritt für Schritt
- 1Auto nach der Verzollung per Transporter oder mit Kurzzeitkennzeichen zur Werkstatt bringen.
- 2Umbauten durchführen lassen (Beleuchtung, Tacho, gegebenenfalls Scheinwerfer).
- 3Termin für das Vollgutachten nach §21 StVZO bei TÜV oder DEKRA vereinbaren.
- 4Gutachten und eventuell die HU-Bescheinigung erhalten.
- 5Versicherung abschließen und eVB-Nummer erhalten.
- 6Termin bei der Zulassungsstelle Ihres Wohnorts mit allen Unterlagen wahrnehmen.
- 7Kennzeichen prägen lassen, Plaketten erhalten – das Auto ist zugelassen.
Kosten und Steuern bei der Zulassung
Deutschland erhebt keine einmalige Zulassungssteuer auf importierte Autos, anders als die Niederlande mit der BPM oder Österreich mit der NoVA. Sie zahlen die Kosten für Umbauten und Gutachten, die Gebühren der Zulassungsstelle und die Kennzeichen. Danach fällt die jährliche Kfz-Steuer an, die vom Hubraum und vom CO₂-Ausstoß abhängt. Eine gesetzliche Frist, innerhalb der ein importiertes Auto zugelassen werden muss, sehen die Angaben für Deutschland nicht vor – solange es nicht zugelassen ist, darf es aber nicht auf öffentlichen Straßen fahren.
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Fragen & Antworten
Brauche ich ein CoC-Papier?
Für die USA oder Japan gebaute Autos haben kein EU-CoC. Sie werden stattdessen über eine Einzelbetriebserlaubnis mit Vollgutachten nach §21 StVZO zugelassen.
Kann ich das Auto vom Hafen nach Hause fahren?
Nur mit Kurzzeitkennzeichen und Versicherung und nur, wenn es verkehrssicher ist. Sonst nutzen Sie einen Autotransporter oder Abschleppwagen.
Wie lange dauert die Zulassung eines US-Autos?
Mit Umbauten, Gutachten und Termin bei der Zulassungsstelle meist zwei bis sechs Wochen, abhängig von Werkstatt, Teileverfügbarkeit und Terminlage.
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